Sie habe den Anspruch an eine neutrale und moderate Amtsführung. Das GBF habe dagegen in der Opposition eine kompromisslose Haltung vertreten. Abweichende Auffassungen habe es insbesondere über die Ausübung des Bürgermeisteramts gegeben.
Kösters möchte "eine Bürgermeisterin für alle Bürger sein". Das GBF habe hingegen erwartet, dass sie sich deutlicher für seine Forderungen positioniere. "Zwangsläufig steht mein Handeln (...) den Positionen des GBF immer dann konträr gegenüber, wenn das GBF bei Beschlüssen eine Oppositionsmeisung vertritt", schreibt sie. Jüngstes Beispiel war die Abstimmung über den Haushalt 2009. Während das GBF das Zahlenwerk geschlossen ablehnte, stimmte Kösters mit CDU, SPD und FDP dafür. "Ich kann nicht einen Haushalt ablehnen, den ich zusammen mit meinen Mitarbeitern aufgestellt habe", erklärte sie dazu gestern. Daher ihre Entscheidung: "Den faktisch schon seit längerer Zeit andauernden Ablöseprozess vom GBF beende ich nun auch formell durch den Austritt."
Der SPD-Ortsvorsitzende und stellvertretende Fraktionschef Heinrich Strenge nannte die Entscheidung einen "Schritt, den sie aus ihrer Sicht tun musste, um sich zu befreien und nach außen unabhängiger und überparteiicher agieren zu können". Auch CDU-Vorsitzender und Fraktionschef Fritz Berends äußerte Verständnis für Kösters’ Entscheidung. Berends betonte, dass es allein Kösters’ Entscheidung gewesen sei und niemand sie dazu gedrängt habe. FDP-Fraktionssprecher Evert Rötterink zeigte sich überrascht vom Zeitpunkt des Austritts, aber nicht von der Entscheidung an sich.
"Wir müssen den Austritt zur Kenntnis nehmen", sagte GBF-Vorsitzende Renate Wille-Braren. Ihre Parteifreunde und Ratskollegen hätten gehofft, effektiver mit Daniela Kösters zusammenarbeiten zu können. "Wir finden es schade, letztendlich trägt es jedoch zur Klärung bei", so Wille-Braren.
Harald Konrad-Hammersen, GBF-Fraktionschef im Samtgemeinderat, sagte, er begrüße den Austritt. Kösters sei mit dem GBF zur Kommunalwahl angetreten, habe die gemeinsamen Ziele jedoch immer mehr aus den Augen verloren. Als Beispiel nannte er die geplante industrielle Biogasanlage im Europark. Kösters habe bei einer Sitzung mit GBF-Vertretern kein Problembewusstsein erkennen lassen und stehe daher für eine "Fortführung der Politik, gegen die wir angetreten sind".
Wenn die Biogasanlage gebaut worden wäre, hätte dies schlimmere Auswirkungen insbesondere auf die Landwirtschaft gehabt als die eher "abstrakte Bedrohung", die von der Müllverbrennungsanlage ausgehe, so Konrad-Hammersen. Erst auf Druck des GBF habe es eine öffentliche Infoveranstaltung gegeben.


